Donnerstag, 03 November 2016 16:16

Tagebuch "Alea"

Tagebuch-Berichte von Alea`s Besitzerin Petra Breh


03.11.2016


Leider gibt es heute  was zu berichten, was für mich immer noch sehr schmerzhaft ist und mir erst mal den Boden unter den Füßen weg gerissen hat. Wir waren am 20.09.16 beim Röntgen der Hüften und Ellenbogen und die Tierärztin sagte mir, dass Alea schlechte Hüften hat. Diese Diagnose war für mich wie ein Schlag ins Gesicht. Mein über alles geliebter Hund soll schlechte Hüften haben, wird vielleicht irgendwann Probleme und Schmerzen bekommen, kann vielleicht nicht richtig belastet werden. Alles Gedanken, die mir ständig im Kopf kreisten und der Gedanke daran zerriss mir fast das Herz.

Vor ein paar Tagen kam dann das Schreiben vom Gutachter und da stand es dann schwarz auf weiß, beidseitig E1. Die Vorahnung wurde somit zur traurigen Gewissheit.

Seit dem Röntgen und heute sind schon wieder ein paar Wochen vergangen und ich hatte Zeit um mir Gedanken zu machen, wie es jetzt weiter gehen soll.  Und ich muss sagen, ich bin schon wieder viel optimistischer als zuvor. Alea wird ihr Leben genießen dürfen wie bisher. Ich habe beschlossen sie nicht in Watte zu packen und sie darf auch weiterhin ihrer großen Leidenschaft, nämlich dem Apportieren,  nachgehen. Beim Arbeiten im Gelände mutiert sie zu einer kleinen Rakete und donnert durchs Gelände und vergisst dabei ganz, ob sie gerade durch Brennnesseln, Dornen oder sonst irgendwelche Unebenheiten rennt. Und dabei bleibt sie trotzdem unter Kontrolle und ist (fast) immer abrufbar. Es gibt keine Aufgabe, die sie nicht sofort annimmt und auch ausführt. Sie lernt so wahnsinnig schnell und hat so viel will to please. Kurz gesagt, es ist einfach eine Freude diesen Hund zu führen.

Ich habe mich damals ganz bewusst für einen Welpen von Beesley entschieden. Ich liebe ihr sanftes Wesen und ja es stimmt, Alea hat sehr viel davon abbekommen. Aber genau das liebe ich so an ihr. Dadurch, dass sie so sensibel ist, zeigt sie in bestimmten Situationen  auch Unsicherheiten, was uns in Zukunft mit Sicherheit das eine oder andere Mal vor eine neue Aufgabe stellen wird. Aber das sind alles Dinge an denen wir arbeiten können und ich bin mir sicher, dass sich das im Laufe der Zeit verbessern wird  und wenn nicht, dann stört mich das auch nicht. Dieser Hund ist, so wie sie ist, für mich und auch für meine Familie ein absoluter Glücksgriff und wir lieben sie über alles. Sie ist so lieb  und versucht immer alles recht zu machen. Die Kinder liebt sie abgöttisch, sie ist super lieb zu unserem ganzen Haustierzoo und auch für Luke ist sie einfach perfekt. Beim Spazieren gehen ist sie völlig unkompliziert im Umgang mit anderen Hunden und Menschen und egal wo wir hinkommen, alle mögen dieses kleine Hundemädchen.

Und das alles lass ich mir von einer schlechten Hüfte nicht kaputt machen. Natürlich habe ich mir das anders erwünscht, aber ich kann es nicht ändern und jetzt versuchen wir das Beste daraus zu machen. Alea wird im nächsten Jahr Goldimplantate bekommen und somit erhoffen wir uns, dass wir ihr so lange wie möglich ein schönes und schmerzfreies Leben ermöglichen können.

Meine Freundin hatte mir vor ein paar Tagen ein Wort gesagt, welches nicht besser passen könnte. Es war das Wort PFOTENTOCHTER. Obwohl ich daran eigentlich gar nicht glaube, aber mein Gefühl hat mir von Anfang an gesagt, dass in meiner Alea meine kleine Isabell wieder geboren ist, die damals leider nicht lebend auf die Welt kommen durfte.

Und deswegen würde ich mich immer wieder für Alea entscheiden, auch mit dem Wissen, dass sie schlechte Hüften hat.


 



05.10.2016

 

Heute genau vor einem Jahr durften wir unser kleines Mädchen abholen und jetzt ist aus dem kleinen Fellbündel eine wunderschöne Hündin geworden, die uns jeden Tag so viel Freude bereitet.

Mit 10,5 Monaten wurde sie das erste Mal läufig und auch diese Zeit haben wir völlig problemlos „überstanden“. Die einzige Veränderung die sie uns gezeigt hatte, war, dass sie jedem Rüde ihren Hintern vor die Nase gestreckt hat :-).  Aber sonst keine Zickereien und von Scheinträchtigkeit war auch nichts zu merken. Wir werden sehen, wie es bei der nächsten Läufigkeit aussieht.

Im täglichen Umgang ist sie immer noch das gleiche pflegeleichte Mädchen, was sie schon von Anfang war. Sie liebt unsere Kinder, die sie jeden Morgen mit einer Hingabe, oder sollen wir eher sagen Schleckattacke, weckt, ihren „großen Bruder“ Luke hat sie immer noch völlig im Griff und auch unser immer größer werdende Zoo (Hamster, Kaninchen und Fische) gehört für sie zur Familie dazu. Die Kaninchen sind für sie wie ihre Babys, die sogar bei ihr im Körbchen liegen dürfen und abgeschleckt werden. Besser könnte es wirklich nicht sein. Sie ist und bleibt einfach eine Seele von Hund und das macht das Leben mit ihr so einzigartig.

Bei der  Dummyarbeit haben wir schon viel zusammen gelernt und es macht so unendlich viel Freude diesem Hund beim Arbeiten zuzuschauen. Es erscheint alles so einfach weil sie sehr schnell lernt und immer mit Feuereifer dabei ist. Für mich ist sie einfach perfekt, da sie nicht so extrem viel Trieb hat und sie dadurch sehr gut handelbar ist. Die Aufgaben, die man ihr aber stellt, nimmt sie immer toll an und versucht sie bestmöglich zu erledigen. Natürlich sind wir nicht so perfekt wie die vielen Profis, aber das ist auch nicht unser größtes Ziel. Unser Motto heißt zusammen Spaß haben und ein gutes Team werden. Und da sind wir auf einem guten Weg. Für die ersten Prüfungen wird auf jeden Fall fleißig trainiert und wir freuen uns auf die neuen Herausforderungen.

Und was die Zukunft uns bringt, werden wir dann sehen.

Publiziert in Alea
Freitag, 12 Juni 2015 11:13

Portrait eines echten Allrounders

Im Andenken an einen großen Hundemann und echten Retriever-Freund "Edgar Wagner" und seinen treuen Gefährten"Falcon"

Portrait eines echten Allrounders

Falcon of Carinthia (12.04.2000 - 25.12.2010)

gewölft am 19.April 2000 im österreichischen Zwinger von Margit und Herbert Plösch, kam der schwarze Labrador über Robert Kaserer in die Hände von Edgar Wagner, Pörnbach.

Seine Eltern Brindlebay Ant und Buttermaed Crusader entstammen englischen Field Trial Linien und wurden beide erfolgreich jagdlich geführt und geprüft. Aber damit genug der Ahnen, es kommt ja doch immer darauf an was man daraus macht…

Im Alter von 9 Monaten begann Falcons Ausbildung zum Vollgebrauchsjagdhund. Bis dahin hatte er eine Grundlage im Gehorsam und am Dummy im Hause Kaserer erhalten. Bei Edgar Wagner wurden nun seine jagdlichen Anlagen getreu Edgars Motto: „tun muß man sie’s lassen“ gefördert.

Die JP/R und die BLP legte Falcon kurz nacheinander im zweiten Jahr ab, parallel dazu auf diversen Workingtests (A und F) und der Dummy A geführt.

Es folgten Falcons erster German Cup 2002, die VPS, die RGP, die RSwP und die SwoR (Schweißprüfung ohne Richterbegleitung) wobei der exakte chronologische Ablauf wohl keine große Rolle spielt.

Er hat drei German Cups (4., 7. und 2.Rang) einen IWT (2004 12. Rang) und diverse hochklassige Workingtests in der Wertung beendet (Bavarian Lion’s Cup, 2xTirolean Cup u.a.).

Nachdem Falcon den Laut- (als Verbeller) und den Härtenachweis erbracht hat, konnte er als einer der wenigen Retriever  die Verbandsschweißprüfung ablegen und steht seit 2006 in der Nachsuchenstaffel des bayrischen Jagdverbandes.

Er hat bisher 105 Nachsuchen erfolgreich beendet davon 58 auf Reh, 46 auf Sauen und eine auf Gams.

Den natürlichen Anlagen des Hundes verpflichtet fördert Edgar mit Motivation und der Bestätigung durch „vertrauensbildende Maßnahmen“ die Fähigkeiten seines Hundes ohne Tips und Tricks.

Falcon liefert jeden Tag im Jagdgebrauch den besten Beweis dafür, daß die Präzisionsarbeit eines Spezialisten ihn noch lange nicht zum Fachidioten machen muß.

Ob er nun beim Reviergang Raubzeugschärfe beweist (Katzen innerhalb von Ortschaften „sind brav“), zur Hetze geschnallt seine Wildschärfe (oder besser seinen gesunden Beutetrieb!) beweist, „Abwurfstangerl“ bringt, oder auf Treib- und Buschierjagden Arbeit vor und nach dem Schuß par excellence demonstriert – seine Vielseitigkeit in allen jagdlichen Bereichen ist ein Musterbeispiel für die Brauchbarkeit unserer Retriever.

Diese Fähigkeiten sollten wir weder unseren Hunden absprechen, noch züchterisch verkommen lassen auch wenn der Retriever aufgrund seiner hervorragenden Wesensmerkmale mit Hilfe anderer Argumente gut vermarktet werden kann.

Geschrieben von Julia Enz

Edgar Wagner und Falcon of Carinthia auf der Schweißfährte...

Falcons letzter N A C H S U C H E N B E R I C H T - NR: 105/62

Name des Hundes: Falcon of Carinthia
Rasse: Labrador Retriever
Name des Führers: Edgar Wagner
Anschrift: Dorfstraße 3, 85309 Pörnbach
Nachsuche durchgeführt am: 13.12.10 um 19:30 Uhr, Stehzeit: 01:30Std.
Das Stück wurde beschossen / angefahren am: 13.12.10 um: 18:00 Uhr
Boden u. Geländebeschaffenheit: Wiesenbrache Altholzbestand mit teilweise dichter Fichten Naturverjüngung und angrenzender Nadelholzdickung.
Wetter: -4°C, bewölkt, ca. 20cm hohe Schneedecke
Nach Fehlsuche von anderen Hunden Rasse:
Länge der Riemenarbeit: 90 Schritte
Schussverletzung / Verkehrsunfall: Kastenschuss
Wildart: Schmahlreh, Wildbretgewicht: 16kg, Verk. Preis: 100,00 €

Beschreibung der Nachsuche:

Für den Weihnachtsbraten mußte ich noch unbedingt für einen langjährigen Kunden ein Schmahlreh liefern. Wie es halt immer so ist, das Schmahlreh ist zwar schon lange bestimmt aber es kommt halt nicht zur rechten Zeit an der rechten Stelle. Beim fünften Ansitz, Schnee und eisiger Kälte kam das auserwählte dann doch nach Ende des Büchsenlichtes und stellte sich Brettl breit auf 60 Gänge und der Schuss „zwei Finger hinterm Blatt“ brach , aber das Mündungsfeuer war so grell, dass kein Schusszeichen zu erkennen war. Allerdings war am Anschuss auch kein Anzeichen dafür, dass das Stück im Feuer lag.

Nach zwanzig bangen Minuten am Anschuss zwar geringe Schweiß Spritzer aber in der im Schnee sichtbaren Fluchtfährte auch nicht. Also keine weitere Unruhe verursachen, zurück zum Auto und Falcon von zu Hause holen. Falcon in seiner souveränen Art untersuchte den Anschuss ausführlich und führte mich geraden Weges in den angrenzenden Fichten Altholzbestand mit Meter hoher Naturverjüngung.

Ich folgte am Ende des 12m langen Riemen mit ansteigender Spannung, je weiter wir uns vom Anschuss entfernen... Da - - - plötzlich löst sich die Spannung am Riemen und ich bleibe stehen. Im gleichen Moment höre ich das bekannte Geräusch, wenn Falcon mit seinem starken Fang prüft, ob das Stück noch am Leben ist. Ich warte noch ein wenig und da kommt auch schon der allzeit bekannte Laut meines treuen Gefährten, mit dem er mich schon öfters von weit weit her gerufen hat.

Ich hangle mich am Riemen bis zu meinem Hund, der unter Meter hohem Fichtenjungwuchs am Stück noch immer laut gab. In einer Deckung, in der ich/man ohne Hund das Stück nicht gefunden hätte. Die Kontrolle am nächsten Tag hat nämlich ergeben, dass das Stück auf der ganzen, 90 Schritte langen Fährte keinen Schweiß abgegeben hat, weil das Geschoß zwischen zwei Rippen eingedrungen war und ohne zu öffnen mit einem kleinen Loch wieder ausgetreten war. Glücklich über diesen erfolgreichen Abschluss meines Rehwildabschusses, fuhren wir zum Aufbrechplatz, wo Falcon seinen verdienten Lohn aus meiner Hand genießen durfte.

Leider war dies seine letzte irdische Nachsuch. Am 25. Dezember 2010 entschlief er seelig in meinem Arm in die ewigen Jagdgründe!

Waidmanns Dank für die vielen unzertrennlichen Jahre mit Dir, mein bester Freund!

Edgar Wagner

Die letzte gemeinsame Nachsuche...

falcon of carinthia letzte nachsuche2

Bildnachweise: sämtliche hier gezeigten Bilder wurden mir von Edgar Wagner zur Verwendung überlassen

Publiziert in Jagdhundeausbildung